Glieneitz

Glieneitz liegt ca. 2,5 km westlich von Zernien, abseits von Durchgangsstraßen. Die erste Erwähnung erfuhr Glieneitz bereits im Lüneburger Lehnsregister. Bei dieser frühen Art der Steuererfassung heißt es im Jahre 1360 "to Gelnisse III man" Im Viehschatzregister werden 1564 nur noch 2 Höfner genannt. Im Jahre 1604 wird davon berichtet: "der Schulte von Glinitz ist wüste"; und ab dem Jahr 1684 sind noch zwei Vollhöfe genannt worden, allerdings unter einem Besitzer. Aus dieser hier geschilderten kurzen chronologischen Entstehungsgeschichte lässt sich ein jahrhundertelanger Wüstungsprozess ablesen, der sicherlich verschiedene Ursachen gehabt haben wird. Erwiesen ist allerdings, daß nach dem Aufsuchen von Glieneitz durch feindliche Söldnerscharen im dreißigjährigen Krieg nur noch ein Überlebender nachweisbar gewesen ist. Der Erzählung nach soll er sich in einer hohlen Weide vor dem feindlichen Übergriff verborgen haben. Dieses Versteck rette ihm das Leben und sicherte Glieneitz vor dem völligen Untergang.

Die alte Kopfweide hat einen Stammumfang von gut 10 Metern. Verbarg sich hier im hohlen Stamm der letzte Überlebende bei dem Übergriff auf das Dorf im dreißigjährigen Krieg?

Ein Großteil der Glieneitzer Feldmark besteht aus trockenen schluffigen Sandböden, obwohl Glieneitz, aus dem slawischen übersetzt, so viel wie Lehm-Ort bedeutet. Aber die landwirtschaftliche Flächennutzung hat sich auch im Laufe der Jahrhunderte geändert. Die Schafzucht, einst größtenteils der Erwerbs des letzten Hofes konnte sich auf die reichlich vorhandenen Heideflächen stützen.

Etwas Nostalgie gehört bei wenigen landwirtschaftlichen Betrieben noch zum Berufsverständnis.

Diese übrig gebliebene Hofstelle bewirtschaftete eine Sippe mit dem Namen Schenk mehr als 200 Jahre. Nach dem Verkauf wechselten die nachfolgenden Besitzer sehr schnell: im Grundbuch, das 1884 angelegt wurde, sind acht Wechsel in nur knapp 40 Jahren aufgeführt. Letzte Besitzerin des Gutes mit ca. 220 Hektar Land war die Siedlungsgesellschaft Hannover. Sie betrieb eine Aufsiedlung, d.h. das Land wurde in 15 Siedlerstellen aufgeteilt, vier Wohnhäuser entstanden in den vorhandenen Gebäuden, elf weitere wurden von den Siedlern gebaut. Alle Gebäude sind aus Rohziegelmauerwerk errichtet worden.

Vor 80 Jahren noch Scheune, mit Beginn der Aufsiedelung zum Wohnhaus umgebaut

Einige Höfe sind im ganz im Grün der Bäume verborgen

Dies geschah in einer Zeit mit enormer Arbeitslosigkeit (Anfang der 1930er Jahre). Daher versuchten nicht nur Menschen mit Kenntnissen in Sachen Landwirtschaft aus der näheren Umgebung, sondern auch völlig Berufsfremde aus anderen Landesteilen (z. B. Westfalen und Sachsen), sich in Glieneitz eine neue Existenz aufzubauen. Der Ort gehörte zur Gemeinde Reddien, damals noch zum Landkreis Uelzen gehörig. Am 1. Juli 1972 wurde Reddien im Zuge der Gebietsreform dem Landkreis Lüchow-Dannenberg zugeordnet und in die Gemeinde Zernien eingegliedert.

Besonders die allgemeine Strukturveränderung in der Landwirtschaft hat dazu geführt, daß immer weniger landwirtschaftliche Betriebe in Glieneitz ansässig sind. Die meisten Hofstellen wechselten ihre Besitzer und werden zum „Wohnen auf dem Lande“ genutzt – u.a. von mehreren Pferdehaltern.

Liebevoll bepflanzter Schneepflug in Glieneitz